Was wird aus der Ganztagsschule im Lande Bremen? – die Parteien haben geantwortet …

Oberschule Findorff, restlos gefüllte Mensa, vier Politiker, Mustafa Güngör (SPD), Sülmez Dogan (Grüne), Kristina Vogt (Linke) und Thomas vom Bruch,stellen sich den Fragen zum Thema Ganztagsschule, moderiert vom Reporter Karl-Henry Lahmann – Radio Bremen. Wo soll die Reise hingehen? Matthias Lüdecke, Redakteur vom Weser Kurier, bleibt nichts anderes übrig als vier Mal das gleiche Statement für die Bremen-Titelseite der Zeitungsausgabe des 13. März 2015 zu notieren:

Die Parteien streben einen flächendeckenden Ausbau der Ganztagsschulen im Grundschulbereich an. Sollten die nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung stehen, sollten auch die weiterführenden Schulen berücksichtigt werden. Die Parteivertreterinnen und Vertreter bevorzugen eher die gebundene Form der Gesamtschule, doch sie räumen ein, dass auch aus unterschiedlichen Gründen das offene Modell seine Berechtigung hat. Einig sind sich die Vertreter auch dahingehend, dass Schwerpunkte mit Blick auf soziale Brennpunkte geschaffen werden müssen, auch Ungleichgewichtungen in der Verteilung der Mittel akzeptiert werden müssen. Ungleiche Voraussetzungen wie unterschiedliche Startvoraussetzungen oder die Beeinträchtigung der Bildungsgerechtigkeit müssen angegangen werden.

An dieser Stelle ist eine Erklärung erforderlich: Worin unterscheidet sich das offene vom gebundenen Modell? In Bremen gibt es nur drei Schulen im gebundenen Modell, die Gesamtschule Ost (GSO), die Gesamtschule Mitte (GSM) und die Gesamtschule West (GSW). Diese Schulen erhalten die nötigen Mittel, um eine Schulbetreuung bis 16:00 Uhr für alle die Schülerinnen und Schüler aller Jahrgänge zu garantieren. Alle übrigen 24 Ganztagsschulen erhalten im offenen Modell lediglich Mittel für eine Ganztagsbetreuung einschließlich des Jahrgangs 7. Einige Gäste bezeichneten dieses Modell daher als Mogelpackung oder Ganztagsschule-light.

Woher soll das benötigte Geld kommen? Thomas von Bruch bevorzugt eine Bußgeld-Unterstützung, Kristina Vogt weist daraufhin, das sich irgendwann eine Steuererhöhung nicht mehr vermeiden lassen wird. Sülmez Dogan will um jeden Cent streiten.

Das Titelbild des Weser Kurier Artikels mag vielleicht nicht auf den ersten Blick verständlich sein. Aber auch hier kann eine Ergänzung helfen: Gesamtschulen oder solche, die wie einige Gymnasien faktisch Schülerinnen und Schüler bis 16.00 Uhr oder länger aufnehmen, müssen ein Verpflegungsangebot anbieten. Gerade aber den Gymnasien werden selbst diese Mittel vorenthalten. Als Folge springen Elternvereine oder Schulvereine ein, um diese Lücke, selbstverständlich ehrenamtlich, zu schließen. Schulvereine, die als Arbeitgeber Aufgaben der Stadt Bremen übernehmen, bewegen sich in einer Grauzone. Lediglich Mustafa Güngör war an diesem Abend vorbereitet, um diesen Zustand nicht nur zu erkennen. Dieser Zustand muss grundsätzlich geändert werden, wenngleich auch nicht zu Beginn der neuen Regierungsperiode. Warten wir es ab!

Vier Parteien, gleiche Ziele und eine Koalition, die die Voraussetzungen bis hier geschaffen hat. Und das Publikum? Jürgen Jaracewski (Ganztagsschulverband) fordert eine Förderung der Ganztagsschulen über die Klasse 7 hinaus, Andrea Spude (Zentral-Elternbeirat) fordert eine Verbesserung der Qualität. Sie meint in diesem Fall eine bessere Ausstattung mit Lehrkräften, kein Qualitätsmanagement wie von einigen Schulen bereits in Eigenregie betrieben. Christian Goede, Landessprecher der GEW Bremen, wies auf die Überlastung vieler Lehrkräfte hin. Den Schulen stehen nicht genügend Lehrkräfte zur Verfügung. Zudem sei es schwer, qualifizierte Kräfte an Bremer Schulen zu lotsen.

Ohne Zweifel fällt es den Politikern schwer, hierauf eine passende Antwort zu präsentieren. Immerhin erkennt Mustafa Güngör Raum für kleine Schritte. So könnte der Personal-Pool kurzfristiger aktualisiert werden, ein konkreter Ansatz, der bei der Suche von geeigneten Lehrkräften schon helfen könnte. Auf größere Wunder müssen Schülerinnen, Schüler und Eltern sicher noch eine Weile warten – es informiert Ihre Interessengemeinschaft Schweizer Viertel!

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