… Ankunft …

Vorweihnachtszeit. Seit Sonntag brennen drei Kerzen und es dauert nur noch wenige Tage bis zum 4. Advent, nur noch wenige Tage bis zur Ankunft. Wer oder was mag heute im übertragenen Sinne ankommen? Ankommen werden sicher die Passagiere über mir, gerade gestartet auf dem Neuenlander Feld, Ryanair-Flug FR 3631 nach London. Auch die auf der App nicht angekündigten Regentropfen kommen an, erreichen Boden, Laufjacke, Kapuze und Laufschuhe.

… “alles ist eins – in uns und um uns herum – im Hier und Jetzt” … höre ich einen Buddhisten in mein Ohr hauchen, während ich mit schnellen Schritten über den Asphalt entlang der Ochtum schwebe, heute im Park links der Weser – Lauf- und Hundeparadies.

clip_image001Alles ist eins? Regen und Sonne? Freude und Leid? Krieg und Frieden,  Langsam und schnell? Kommen wir schneller an, wenn wir entschleunigen? Ich denke für einen Moment an Shared Space – Zukunfts- und Entschleunigungsprojekt im Schweizer Viertel. Alles braucht seine Zeit …

Aber … überwiegen nicht die negativen Wahrnehmungen in unserem Alltag? Von besinnlicher Vorweihnachtszeit ist die Rede – alle Jahre wieder … In der Tat, alle Jahre wieder türmt sich ein Berg aus Aufgaben, älteren wie jüngeren bekannt – ausgerechnet vor dem Weihnachtsfest. Die letzte Woche vor den Ferien hat es besonders in sich, Tests in Mathe, Englisch, Bio und Chemie, dazu ein Vokabeltest und ein Referat – machen das die Lehrkräfte absichtlich? Konflikte in der Schule, Beruf, zuhause – Streit mit dem Nachbar, Proteste, Anschläge, Geiselnahmen und dann das Fest der Liebe? Gerade deshalb!

Wenn wir uns nicht ständig bemühen, die Welt etwas freundlicher aussehen zu lassen, akzeptieren wir, was wir sehen – in uns und um uns herum – immer im Jetzt. Gerade für unsere Kinder, unserer Zukunft, tragen wir die Verantwortung, um Grundlagen für eine bessere Welt zu ebnen, nicht zu akzeptieren, dass das, was immer schon so war, nicht auch auf bessere Wege gebracht werden kann. Nur – wie sollen wir das machen?

“Meine Tochter räumt ja ihr Zimmer nicht auf” … “mein Sohn macht die Hausaufgaben nicht” … “und wir haben unser Enkelkind schon ein Jahr nicht gesehen” … “da muss man doch durchgreifen!”

Kinder haben keine Wahl! Sie sind in erster Linie Spiegel der Eltern – innen wie außen. Welche Fragen sollten wir uns stellen? Wer räumt nicht in seinem Leben auf? Wo sollte ich Ordnung schaffen? Wer macht nicht mit? Wer hört nicht zu? Wer bleibt sich nicht treu? Gerade zu Weihnachten hören wir immer wieder … “in diesem Jahr gibt es nur noch fünfzig statt hundert Euro – wir haben uns dabei etwas gedacht!” Übersetzt: Kommen die Kinder nicht zu den Großeltern, wird das Weihnachtsgeld gekürzt – Auge um Auge?

Kinder sind  das schwächste Glied in unserer Gesellschaft, so unendlich vielen Einflüssen ausgesetzt. Sie wollen dem Elternteil, gegenüber dem sie die größte Loyalität gegenüber empfinden, unterstützen, eine Haltung zum Ausdruck bringen – am besten noch deutlicher, als man es ihnen im Alltag vorgelebt wird. Sie sind nun wirklich nicht die richtigen Adressaten für jene Konsequenzen, deren Ursachen wir – die Erwachsenen – in uns tragen – alles ist eins!

Kinder haben keine Wahl – sie spiegeln uns täglich Botschaften und es scheint uns schwer zu fallen, diese richtig zu deuten. Vielleicht würden sie so gerne in einem aufgeräumten Zimmer spielen, doch ohne unser Verstehen ändert sich nichts. Das mag sich mit der Abnabelung ändern, doch wollen wir uns bis dahin taub stellen? Ihnen allein die Rolle des täglich Schuldigen überlassen?

Ankunft – mit dem läuferischen Erblicken des Ziels reift ein Bild von einem Hoffnung und Zuversicht ausstrahlenden Weihnachtsbaum, groß, kräftig und geschmückt wie jener Baum der Hoffnung, der in der GSO – in der Gesamtschule Ost, zurzeit zu bewundern ist, in diesem Jahr gespendet von der Interessengemeinschaft Schweizer Viertel. Möge er allen symbolisch die Hoffnung geben, anzukommen in einer Welt des Erkennens, des Verstehens, des Miteinanders.

Lassen auch sie am Sonntag, dem kürzesten Tag des Jahres, die vierte Kerze leuchten – außen wie auch innen.

Die Interessengemeinschaft wünscht eine friedliche Vorweihnachtszeit der Ankunft – in uns.

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