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Inklusion – wir müssen allen Kindern gerecht werden!

Mittwoch, April 18th, 2018

Das Thema Inklusion ist durch die Klage der Direktorin Christel Kelm vom Bremer Gymnasium Horn in aller Munde. Der Weser Kurier berichtete in seiner Ausgabe vom 10.04.2018 ausführlich.

Die Elternvertreter am Gymnasium Horn erinnerten zuletzt durch Zusendung eines Beschlusses an den Weser Kurier zum Ja zur Inklusion, unterstrichen durch deren Aussage:

… „Wir sind fest davon überzeugt, dass das Ziel der Eltern, der Lehrkräfte, aber auch der Direktorin darin liegt, Ja zur Inklusion zu sagen, Ja – aber richtig: Gerecht und rechtsstaatlich korrekt!“

Ein Auszug aus der Erklärung:

Wir, die Elternvertreter des Gymnasiums Horn, unterstützen gemäß abgefragtem Stimmungsbild auf der Elternbeiratssitzung vom 13. Februar 2018 das Vorhaben, Kinder mit dem Förderbedarf Wahrnehmung und Entwicklung (W+E) am Gymnasium Horn so gut zu beschulen, wie es möglich ist. Wir beantragen aus diesem Grund das Anstreben eines konsensfähigen Beschlusses in Abstimmung mit der Politik, der Bildungsbehörde, des Landesbehindertenbeauftragten, den Direktoren, den Lehrkräften, dem Zentralelternbeirat und den Elternvertretern.

Die Elternvertreter fordern eine Verschiebung der Aufnahme von W+E-Kindern um ein Jahr, um Zeit zu gewinnen, damit unter anderem Sozialpädagogen eingestellt oder die Schaffung geeigneter Räume mit erforderlicher Ausstattung realisiert werden kann. Alle Voraussetzungen für eine Beschulung von W+E-Kindern sind am Gymnasium Horn aktuell nicht gegeben.

Die Elternvertreter sind zudem der Ansicht, dass es weder ihnen noch anderen zusteht, ohne Kenntnis über die Klageschrift zu urteilen, denn die Parteien haben Stillschweigen zum Vorgang vereinbart. Und dennoch häufen sich Artikel, Kommentare und Gegenkommentare. Glücklicherweise wird mittlerweile sachlich und fundiert in den Medien berichtet und kommentiert. Die Beispiele des taz-Berichts „Kein Streit um Inklusion“ von Klaus Wolschner (16.04.2018) oder der Spiegel-Online-Kommentar „Frei nach dem Prinzip Banane“ von Michael Felten (17.04.2018) belegen den Trend!

Es bleibt nur Raum für Mutmaßungen, wenn ohne Kenntnis der Klageschrift diese kommentiert wird. Wer sich dennoch kritisch mit allen bisher erschienenen Berichten und Kommentaren auseinander setzt, wer zudem den § 20 Abs. 3 des Bremischen Schulgesetzes auf seine Wirksamkeit hin prüft und zu Übungszwecken den Blickwinkel einer Direktorin eines Bremer Gymnasiums einnimmt, der vonseiten der Bildungsbehörde per Organisationsakt W+E-Kinder zugeteilt werden, dem wird sicher schnell klar, dass im Kern der Frage der Verdacht ruht, dass sich hinter der so genannten Arbeitsplatzbeschreibung für eine Direktorin eine Ausgrenzung für W+E-Kinder verbirgt. Der Bremer Gesetzgeber hat Voraussetzungen geschaffen, welche es einer für alle Schülerinnen und Schüler voll verantwortlich und rechtlich einwandfrei denkenden Direktorin nicht erlaubt, Kinder aufzunehmen, die den ausgrenzenden Bedingungen des Gesetzestext nicht entsprechen.

Mathematisch hoch begabte Kinder, welche, unabhängig von einer möglichen Behinderung, dem Unterricht wunderbare Impulse geben könnten, werden durch den Gesetzgeber per Schulgesetz daran gehindert, ein Gymnasium zu besuchen, wenn zwei Fremdsprachen möglicherweise zu viel für sie sind, und das, obwohl der Besuch eines Gymnasiums möglicherweise der größte Wunsch des Kindes wäre. Sicher, andere Kinder mit gleichen Vorzeichen und Beeinträchtigungen würden sich trotz der Möglichkeit, ein Gymnasium zu besuchen, eher in einem Förderzentrum wohl fühlen, ginge es nach ihren Wünschen. Und was wäre wohl das Beste für W+E-Flüchtlingskinder, wohlmöglich traumatisiert und der deutschen Sprache noch nicht wirklich mächtig? Genau da liegt der Schlüssel zu Ursache und Wirkung!

Wir müssen den Kindern gerecht werden – allen Kindern mit ihren Wünschen, Neigungen und Voraussetzungen!

Wohlgemerkt, ohne Kenntnis der Klageschrift können alle, außer die schweigenden Beteiligten, nur mutmaßen. Wäre es Zeit für eine Prognose, so würde ich voraussagen, dass der Klage am Ende entsprochen wird und der Richter den Gesetzgeber auffordert, den Inhalt des Bremischen Schulgesetzes so zu ändern, dass bestehende diskriminierende Inhalte zu ersetzen sind. Es gilt, rechtssichere Räume zu schaffen, um allen Kindern gerecht zu werden. Es gilt, alle Schulen gemäß ihren Anforderungen auszustatten – mit ausreichendem Fachpersonal, Räumen, geeigneter Ausstattung und Lehrmaterial. Neben der erfolgreich klagenden Direktorin würden auch die Behindertenverbände jubeln. Nur die verantwortlichen politischen Kräfte, die gerne auf die juristische Aufarbeitung verzichtet hätten, werden dann einräumen müssen, dass eine Gesetzesänderung nun doch erforderlich ist.

Die Zeit für Anordnungen in Krisenzeiten ist längst vorbei. Was benötigt wird, ist eine kommunikative Schnittstelle, eine Persönlichkeit mit Ausstrahlung, ein mit Befugnissen ausgestatteter Vermittler, dem es gelingt, alle zu erreichen, Politiker, Deputierte, Vertreter der Bildungsbehörde, Gewerkschaft, ZEB, Direktoren und Lehrkräfte und vor allem die Eltern. Es bedarf einer Persönlichkeit, der es gelingt, gleich einem Krisenmanager alle Beteiligten in einer Notsituation zum Zusammenrücken aufzurufen, dazu motivieren, dass die vor uns liegenden Herausforderungen zumindest so gut wie möglich gemeistert werden. Ohne eine Änderung riskieren wir eine weitere Generation von Schülerinnen und Schülern, denn auf deren Rücken wird dieser Konflikt ausgetragen!

Ein Kommentar Ihrer Interessengemeinschaft Schweizer Viertel!